Tipps zum Kauf einer Kamera und zur Fotobearbeitung
Vor einiger Zeit war ich in einer Buchhandlung in der Abteilung für Fotobücher und wurde überraschenderweise von einem anderen Kunden gefragt, ob ich mich mit Kameras auskenne und ihm einen Ratschlag zum Kauf einer solchen geben könne. Wir kamen daraufhin ins Gespräch und ich nannte ihm einige Aspekte, die ich beachten würde. Dieses Ereignis brachte mich auf die Idee, meine Überlegungen zum Kauf einer Kamera hier darzustellen.*
Als ich mich vor einigen Jahren entschlossen hatte, mir eine neue Kamera zu kaufen, konnte ich bereits auf Erfahrungen mit drei digitalen Kameras zurückgreifen: eine Kompaktkamera aus der Frühzeit der Digitalfotografie (Casio QV-5700), danach eine digitale Spiegelreflexkamera (Canon EOS 350D) und dann wieder eine (Premium-) Kompaktkamera (Nikon Coolpix P7700). Nun wollte ich mir den Traum einer Kamera mit Vollformatsensor und Wechselobjektiven gönnen, weil diese Ausstattung meiner Analogfotografie am nächsten kam.
Welche Punkte waren mir besonders wichtig? Der Preis, das Gewicht und die Objektivauswahl. Da die Bildqualität der Vollformat-Digitalkameras bezogen auf die Ansprüche eines Hobbyfotografen inzwischen auf einem sehr hohen Niveau liegt und sich zwischen den Kameraherstellern kaum mehr unterscheidet, war sie somit für mich kein gewichtiges Unterscheidungskriterium. Selbstverständlich hatte ich einschlägige Testberichte gelesen, aber im Prinzip sind alle Vollformatkameras gut.
Der erste Schritt war eine Analyse meiner bislang gemachten Fotos. Da ich eine Kamera mit Wechselobjektiven kaufen wollte, fragte ich mich, welche Brennweiten für meine Zwecke relevant sind. Ich notierte mir für alle Fotos der letzten Jahre mit welcher Brennweite die Aufnahmen entstanden waren. Es zeigte sich, dass ich circa 90% der Bilder mit einer Brennweite von 28 mm gemacht hatte. Die restlichen 10% waren überwiegend im Bereich 50 mm bis 100 mm. Die 200 mm meiner Kompaktkamera kamen fast nie zum Einsatz (und wenn doch, wären vermutlich 300 mm oder sogar 400 mm zielführender gewesen). Somit stand das Basisobjektiv fest: 28 mm Brennweite.
Ein Wunsch, den ich mit dem Neukauf realisieren wollte, war die Möglichkeit, Superweitwinkel-Aufnahmen machen zu können. Meine Kompaktkamera war bei 28 mm limitiert und für die eine oder andere Landschaftsaufnahme hätte ich mir einen größeren Bildwinkel gewünscht. Somit habe ich gedanklich die 28 mm Brennweite halbiert und bin bei rund 14 mm Brennweite gelandet. An dieser Stelle will ich kurz auf die Sensorgröße APS-C (23 x 15 mm) eingehen. Ein solcher Sensor ist gegenüber dem Vollformatsensor (36 x 24 mm) um den (Crop-)Faktor 1,6 kleiner. Wenn man mit der APS-C-Kamera denselben Blickwinkel erzielen möchte wie mit einer Vollformatkamera, muss man die Objektivbrennweite der Vollformatkamera ebenfalls durch 1,6 teilen. Das bedeutet, dass aus der 14 mm Brennweite jetzt 9 mm Brennweite werden. Und damit bewegt man sich im extremen Weitwinkelbereich, was auch die physikalischen Grenzen betrifft. Das war der hauptsächliche Grund, warum ich mich gegen eine APS-C-Kamera entschied.
Nachdem die Objektivkombination 28 mm und 14 mm feststand, wollte ich noch ein Objektiv oberhalb der 28 mm haben. Gemäß der Verdoppelungsregel bei den Brennweiten übersprang ich die 35 mm und entschied mich für die 50 mm Brennweite. Somit standen auf meinem Wunschzettel:
- Vollformatkamera
- 14 mm Objektiv
- 28 mm Objektiv
- 50 mm Objektiv
Den Telebereich ab 100 mm sparte ich mir erst einmal auf. Da ich kaum einen Bedarf in diesem Bereich habe, wäre ein solches Objekt mal etwas für einen späteren Wunsch.
Eine Alternative zu den drei Objektiven mit Festbrennweite wäre ein vergleichbares Zoom-Objektiv (an meiner Canon EOS 350D hatte ich ein Sigma 18 - 200 mm Zoom-Objektiv). Für meinen Neukauf habe ich mich allerdings gegen ein Zoom-Objektiv entschieden. Ein Zoom-Objektiv ist üblicherweise weniger lichtstark, die Abbildungsqualität ist schlechter, das Gewicht höher und ganz billig ist es auch nicht. Der einzige Vorteil ist, dass man das Objektiv nicht wechseln muss. Da ich aber sowieso die allermeisten Fotos mit 28 mm Brennweite mache, muss ich mein Objektiv auch nicht so oft wechseln. Und falls ich mal doch nicht das passende Objektiv dabeihabe, verzichte ich halt auf das Foto. Das ist auch kein Beinbruch.
Nun ging es an die Auswahlkriterien Preis und Gewicht. Fangen wir mit dem Gewicht an. Das übliche Vorurteil, eine Vollformatkamera sei deutlich schwerer als eine APS-C-Kamera, gilt heute nicht mehr. Ich habe mich, um es vorwegzunehmen, für eine Canon EOS RP entschieden. Die Kamera wiegt nur 485 g (inkl. Akku) und das (von mir am meisten benutzte) 28 mm-Objektiv (Canon RF 28 mm Pancake) 120 g. In Summe muss ich nur rund 600 g mit mir herumtragen. Gerade bei langen Tagestouren sollte man sich sehr bewusst sein, welches Gewicht noch akzeptabel ist. Um mir vor der Kaufentscheidung die unterschiedlichen Kamera-Objektiv-Gewichte der verschiedenen Hersteller in der Praxis vorstellen zu können, bepackte ich in meine Fototasche mit dem jeweiligen Gewicht und wanderte los. Und nach einiger Zeit merkt man die Unterschiede! Somit stand für mich fest: je leichter, desto weniger körperliche Verspannungen und desto öfter nehme ich die Kamera mit.
Jetzt zu den Preisen. Es ist wichtig, die Preise der Kamera und aller Objektive zusammen zu betrachten. Dabei sollte man auch die Objektive einbeziehen, die man sich vielleicht erst später kaufen möchte. Man wird feststellen, dass sich die Gesamtpreise der Kamera-Objektiv-Kombinationen der Hersteller deutlich unterscheiden. Um das für mich akzeptable Preisniveau zu finden, überlegte ich, wie viele "gute" Fotos ich in den kommenden Jahren machen werde und berechnete mir den Preis pro Foto. Mit "gute" Fotos meine ich nicht die beiläufig geknipsten Bilder, die man mit jeder Kamera oder dem Smartphone machen kann, sondern Fotos, für die man gezielt die hochwertige Kamera einsetzt. Ein weiterer Aspekt bezüglich der Anschaffungskosten ist, ob man Geduld hat. Alle Hersteller bieten im Laufe eines Jahres Preisaktionen (Cash back) an, bei denen man viel Geld sparen kann.
Zum Schluss habe ich mich für folgende Kamera-Objektiv-Kombination entschieden:
- Canon EOS RP
- Canon RF 16 mm Objektiv
- Canon RF 28 mm Objektiv
- Canon RF 50 mm Objektiv
Und auf meiner Wunschliste steht noch das Teleobjektiv Canon RF 100 - 400 mm.
Mit dem Kauf einer Kamera ist zwar der Einstieg in das Hobby Fotografie geschafft, aber es gibt noch ein paar weitere, nützlich Dinge. Als ergänzende Ausstattung habe ich mir folgendes zugelegt (in absteigender Nützlichkeit):
- leichtes Reisestativ (Rollei Compact Traveller No.1)
- Blitz (Cullmann CU light FR 36C)
- Graufilter (Haida 8x, 64x, 1000x)
- Schweres, stabiles Stativ (Manfrotto)
Das leichte Reisestativ nehme ich immer gerne mit. Es passt in den Rucksack oder lässt sich auch bequem in der Hand tragen (z. B. im Museum). Das schwere Stativ habe ich noch von früher und wird nur eingesetzt, wenn ich es nicht weit tragen muss.
Den Blitz verwende ich überwiegend inhäusig (z. B. Familienfeiern). Aber auch im Freien in der Portraitfotografie lässt er sich gut einsetzen: die abgelichtete Person muss dann nicht in die Sonne schauen, sondern kann mit dem Rücken zum Licht stehen und erhält durch den Blitz eine dezente Aufhellung von vorne.
Die Graufilter ermöglichen eine längere Verschlusszeit. Ich verwende sie nur selten und nur für spezielle Zwecke, um zum Beispiel Wasser fließend darzustellen.
Neben aller Fotoausstattung im engeren Sinn sollte man sich aber auch mit dem Bearbeitungsprozess bis zum fertigen Bild beschäftigen.
Zunächst empfehle ich, beim Fotografieren die Bilder nicht nur im jpg-Format zu speichern, sondern gleichzeitig auch im raw-Format (Rohdaten-Format). Selbst wenn man im Moment keine Bildbearbeitung machen will, sollte man das raw-Format aufheben. Denn vielleicht will man später einmal ein Bild bearbeiten und ärgert sich dann, wenn man das Ausgangsmaterial (also die Sensordaten) nicht verfügbar hat.
Haben Sie Ihre Bilder schon einmal auf unterschiedlichen Monitoren angeschaut? Sie werden feststellen, dass die Farben des Bilds auf jedem Monitor anders aussehen. Falls Sie vorhaben, die Bilder zu bearbeiten, ist es unumgänglich, dass der Monitor die Farben korrekt darstellt. Deshalb habe ich mich entschieden, mir einen farbkalibrierten Monitor zu kaufen (Eizo ColorEdge CS2740) und den Monitor regelmäßig zu kalibrieren (Eizo EX5 mit ColorNavigator 7). Und selbst wenn man keine Bildbearbeitung macht, sieht ein Bild auf einem 4k-Monitor viel schöner aus als auf den üblichen Monitoren.
Für die Bildbearbeitung gibt es diverse, qualitativ hochwertige Programme. Bei der Entscheidung für ein Programm sollte man bedenken, dass man sich langfristig an die Software bindet. Denn man kann die Anpassungen eines Bilds nicht von einer Software zu einer anderen übertragen, so dass alle Bearbeitungsschritte verloren gehen. Die meisten (alle?) Programme gibt es als Demoversion, so dass man sie ausprobieren kann. Meiner Meinung nach gibt es neben den funktionalen Unterschieden der Programme drei weitere wichtige Auswahlkriterien:
- Kauf oder Abonnement
- Speicherort Cloud oder lokal auf dem PC
- Bildverwaltung als Katalog oder Dateisystem
Bei Abo-Modellen sollte man sich im Klaren sein, dass man der zukünftigen Preispolitik des Herstellers ausgeliefert ist. Denn wenn man sein Abonnement kündigt, verliert man den Zugriff auf die Software und auf alle Anpassungen der Bilder. Man kann die Bilder nur exportieren (jpg- oder tiff-Format), aber nicht mit einer anderen Software weiterbearbeiten.
Unter Datenschutzaspekten muss jeder selbst entscheiden, ob die Bilder in einer Cloud gespeichert werden sollen.
Der dritte Aspekt betrifft die Bildverwaltung. Bei einigen Programmen müssen die Bilder zuerst in einen sogenannten Katalog (eine Datenbank) importiert werden, bevor sie bearbeitet werden können. Bei anderen Programmen wählt man einfach den Ordner aus, in dem die Bilder abgelegt sind, um sie zu bearbeiten (wie in einem Dateimanager).
Ich habe mich entscheiden, (a) die Software zu kaufen, (b) die Bilder auf meinem PC zu speichern und (c) keinen Bildkatalog zu nutzen. Unter diesen Prämissen kaufte ich DxO Photolab.
Ein letzter Aspekt bei der Bildbearbeitung ist das Farbprofil in der Software. Neben einem farbkalibrierten Monitor ist für die korrekte Farbdarstellung auch wichtig, dass die Farbwerte aus den Sensordaten von der Bildbearbeitungssoftware korrekt interpretiert werden. Die Software verwendet dazu herstellereigene Farbprofile. Um aber die Farben der Kamera-Objektiv-Kombination ganz genau zu interpretieren, kann man ein eigenes Farbprofil in der Software hinterlegen und den Bildern zuordnen. Für diesen Zweck habe ich mir den Calibrite ColorChecker Passport Photo 2 gekauft und dann für jedes Objektiv je ein Farbprofil für Sonne und Schatten erstellt. Ich gebe zu, dass ich mir nicht sicher bin, ob mein Farbprofil besser ist als das Farbprofil von DxO (die ebenfalls die Kamera-Objekt-Kombination ausgemessen haben), aber ich habe damit angefangen und behalten es jetzt bei. Letztlich kann man aus beiden Farbprofilen ein fast identisches Ergebnis erzielen, man muss nur die Farbregler in der Software unterschiedlich adjustieren.
Zum Schluss noch etwas zu Schmunzeln: Man hat jetzt viel Geld und Aufwand in die Technik und die Bildbearbeitung gesteckt, nur um festzustellen, dass die Bilder auf den nicht kalibrierten Monitoren bei Freunden ganz anders aussehen.
*Hinweis: Dieser Text ist keine Werbung für Canon oder die anderen genannten Hersteller. Ich habe mich ohne Einflussnahme oder Sponsoring für Canon entschieden und mir die Kamera und die Objektive selbst gekauft. Auch andere Hersteller (wie zum Beispiel Fujifilm, Leica, Nikon, Olympus, Panasonic, Sony) haben hervorragende Kameras und Objektive.